{"id":1232,"date":"2015-09-21T10:29:02","date_gmt":"2015-09-21T08:29:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.buergerforum-steinerneshaus.de\/wordpress\/?p=1232"},"modified":"2015-10-05T11:29:43","modified_gmt":"2015-10-05T09:29:43","slug":"saniert-zurueck-und-enthuellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.buergerforum-steinerneshaus.de\/wordpress\/?p=1232","title":{"rendered":"Saniert, zur\u00fcck und enth\u00fcllt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1234\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.buergerforum-steinerneshaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/12030476_902210256534431_7276761767726114908_o-e1442824027742.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1234\" src=\"http:\/\/www.buergerforum-steinerneshaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/12030476_902210256534431_7276761767726114908_o-e1442824027742.jpg\" alt=\"Enth\u00fcllung\" width=\"700\" height=\"525\" class=\"size-full wp-image-1234\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1234\" class=\"wp-caption-text\">Gestern haben wir den sanierten Rathausstuhl enth\u00fcllt.<\/p><\/div>\n<p>Dr. Klaus-Peter Decker, hat die wechselvolle Geschichte des Rathausstuhles f\u00fcr uns niedergeschrieben:<br \/>\nWilfried Klaus, 1946 geb., Bildhauer und T\u00f6pfer aus Ober-Mockstadt, war durch seine Aktion &#8222;Documenta-Feuer&#8220; im Sommer 1982 auch in B\u00fcdingen bekannt geworden. \u00dcber die Laufzeit der 7. Documenta in Kassel, 102 Tage lang, sollte jeden Tag eine Skulptur aus einer Bahnschwelle entstehen und sich schlie\u00dflich zu einem gro\u00dfen Kreis zusammenf\u00fcgen, 102 Tage\/N\u00e4chte lang sollte auch ein Feuer am Brennen gehalten werden. Die Aktion bekam volksfestartige Charakter, die Zahl der abendlichen G\u00e4ste auf der Wiese mit alten Apfelb\u00e4umen und einem immer wohlgef\u00fcllten Apfelweinfass wuchs st\u00e4ndig. H\u00f6hepunkt und Abschluss wurde eine Fahrt von W. Klaus, seinen Helfern und Fans, an die 70 Personen, mit zwei Sonderwagen der Bahn und mitgeschleppten Bahnschwellen, einem Sandsteinblock, 102 symbolischen Stangen und 102 rohen Eiern, die gebraten werden sollten, am 12. Sept. 82 nach Kassel, wo die Aktion in der Karlsaue auf staunendes Interesse stie\u00df.<br \/>\n Im folgenden Jahr 1983 wollte Klaus dann eine weitere Idee verwirklichen, wieder mit seinem besonderen Material als Markenzeichen, Bahnschwellen aus Buchenholz, damals noch in Mengen zu haben, da sie Beton weichen mussten. Ihm schwebten nach dem Vorbild der Apostel 12 \u00fcberdimensionierte Rathausst\u00fchle vor, in 12 hessischen St\u00e4dten, die schlie\u00dflich in einer gro\u00dfen Aktion irgendwo einmal zusammen gef\u00fchrt werden sollen. Der erste Rathausstuhl sollte in B\u00fcdingen entstehen, auch weil Klaus hier eine Reihe Unterst\u00fctzern im neugegr\u00fcndeten Kulturkreis hatte. Unter dem Motto &#8222;Kunst und Leben&#8220;, dem Zusammenklag von Alltag und k\u00fcnstlerischer Sch\u00f6pfung, sollte auf dem Marktplatz gearbeitet und das Objekt im Prozess des Entstehens erlebt werden. In der damals vom Kulturkreis betriebenen &#8222;Galerie am Markt&#8220; zeigte Klaus gleichzeitig in einem zauberhaft verfremdeten Ambiente aus wei\u00dfem Papier T\u00f6pferkunst und fand dort auch w\u00e4hrend der Arbeitswochen mit seiner (leider fr\u00fch verstorbenen) Frau und k\u00fcnstlerischen Begleiterin Rosemarie einen tempor\u00e4ren Lebensraum. Und nun vollzog sich hier im Rahmen des &#8222;B\u00fcdinger Sommers&#8220; des Kulturkreises etwas, was es so in B\u00fcdingen nie mehr gegeben hat: w\u00e4hrend Klaus an seinen Schwellen arbeitete, kam in den lauen Abendstunden von der Er\u00f6ffnung am 1. Juli 83 an ein wachsender Kreis auf dem Marktplatz zusammen, Altst\u00e4dter beiderlei Geschlechts und jeden Alters, darunter die legend\u00e4re Margret, die ihre Wohnung oberhalb der damals dort noch vorhandenen \u00f6ffentlichen Toiletten hatte und vom Fenster ihre Kommentare abgab, Kulturkreisler, Kunstinteressierte, Touristen, T\u00fcrken, einige Lokalpolitiker, es wurde diskutiert, musiziert (Olaf Nuschke mit Geige oder Banjo, ein Bub der Familie Tylmann mit Geige und andere) Apfelwein getrunken und viel gelacht. F\u00fcr einige endete der Abend dann \u00f6fters Im &#8222;Bermuda-Dreieck&#8220;, der Pinte von Mechthild gegen\u00fcber, dem &#8222;Weinst\u00fcbchen&#8220; im Schwan und dem damals noch so genannten &#8222;Bierbrunnen&#8220; (Kaj\u00fcte). Bei alldem hat W. Klaus wacker gebeilt und geschnitzt. Er hat alle Details nicht ganz geschafft, aber zum Abschluss am 10. Juli stand der Stuhl und wurde, begleitet vom Fernsehen,  vom 1. Stadtrat Gerlach als Vertreter des im Urlaub befindlichen B\u00fcrgermeister Bauner zusammen mit Klaus &#8222;besessen&#8220;. Nach dem heiter-geselligen folgte nun der weniger nette politische Teil. Denn der etwas blau\u00e4ugige K\u00fcnstler hatte aus den ermunternden  \u00c4u\u00dferungen der B\u00fcdinger Politiker heraush\u00f6ren wollen, da\u00df die Stadt den Stuhl ankaufen oder zumindest seine Arbeit honorieren werde. Die aber zog sich darauf zur\u00fcck, da\u00df ihr Engagement mit einem Zuschuss von 1500 DM (aus F\u00f6rdermitteln) im Rahmen des &#8222;B\u00fcdinger Sommers&#8220; abgegolten sei. Zu Forderungen dar\u00fcber hinaus solle sich Klaus, bitte sch\u00f6n, an den Kulturkreis wenden. Ja Klaus wurde bald in sehr ruppiger Form aufgefordert, das &#8222;Monstrum&#8220; vom Marktplatz zu entfernen, begleitet von recht h\u00e4mischem Presse-Echo (&#8222;Das h\u00f6lzerne Monstrum ist weg!&#8220; so R\u00fcdiger Hartmann im KA vom 11.8.83) Der v\u00f6llig verschnupfte Klaus hat den Stuhl abgebaut und bei sich eingelagert. Der Kulturkreis bem\u00fchte sich in der Folge unter Federf\u00fchrung der neuen Vorsitzenden, Carla Kleinau, mit der Stadt zu einem Ergebnis zu kommen, zun\u00e4chst aber vergeblich, ich zitiere aus einem Schreiben Bauners vom 10.2.1986: &#8222;Wir sind nach wie vor bereit, f\u00fcr einen Ankauf des &#8222;Rathausstuhles&#8220; ..  1500,&#8211; DM zur Verf\u00fcgung zu stellen mit der Ma\u00dfgabe, da\u00df der Kulturkreis f\u00fcr die weitere Finanzierung in H\u00f6he der Differenz zu dem Betrag, den Herr Klaus erwartet, Sorge tr\u00e4gt&#8220;.  Schlie\u00dflich kam es aber doch noch zu einem vers\u00f6hnlichen Ende. Nachdem der Oberhof saniert worden war, wurde im neuen &#8222;Kulturzentrum&#8220; ein passender Platz gefunden, der Stuhl pl\u00f6tzlich als Attraktion wiederentdeckt und nach neun Jahren tats\u00e4chlich von der Stadt gekauft. Im Rahmen des von B\u00fccherei-Leiter Thomas Kremer initiierten &#8222;Oberhof-Open&#8220; Festivals wurde der Rathausstuhl im August 1992 mit einem gro\u00dfen Fest eingeweiht. Die ehemaligen Kontrahenten Bauner und Klaus thronten gemeinsam auf dem Stuhl , der schlie\u00dflich noch rekordw\u00fcrdig etwa zwei Dutzend weiteren mutigen Erklimmern Platz bot. Nach der Melodie &#8222;Kein sch\u00f6ner Land..&#8220; intonierte eine Blus Band das Lied: &#8222;Kein sch\u00f6nrer Stuhl in unsrer Stadt\/als der den Klaus geschnitzet hat\/unter der Ma-gi-no\/li-e &#8211; sonst nirgendwo\/er stehen soll&#8220; usw. Ja B\u00fcrgermeister Bauner regte sogar wieder 11 weitere St\u00fchle an, &#8222;f\u00fcr jede Gemeinde im Altkreis B\u00fcdingen einer&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Klaus-Peter Decker, hat die wechselvolle Geschichte des Rathausstuhles f\u00fcr uns niedergeschrieben: Wilfried Klaus, 1946 geb., Bildhauer und T\u00f6pfer aus Ober-Mockstadt, war durch seine Aktion &#8222;Documenta-Feuer&#8220; im Sommer 1982 auch in B\u00fcdingen bekannt geworden. \u00dcber die Laufzeit der 7. 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